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Das Handy und Afrika


In diesem Artikel wird Ihnen die hohe Bedeutung von Handys und Smartphones auf dem afrikanischem Kontinent näher gebracht. Auch wird auf die zukünftigen Entwicklungen im Bereich der mobilen Kommunikation in Afrika eingegangen.
Schwarze Frau mit Handy
© A J Cotton | Dreamstime.com

Das Handy gehört für uns mittlerweile zum gewohnten Alltag und wird manchmal mehr als lästig, denn als nützlich empfunden. In anderen Teilen der Welt ist es jedoch Entwicklungshelfer und Bankkonto in einem.
Mehr als 545 Million Menschen in Afrika besitzen mittlerweile ein Mobiltelefon. Tendenz steigend!

Entwicklungsmotor

Während sich die Zahl der Festnetztelefone auf dem afrikanischen Kontinent kaum verändert hat sind die Zahlen für mobile Geräte von 16,5 Millionen Mobiltelefone im Jahr 2000 auf 545 Millionen im Jahr 2012 geradezu explodiert. Ein Ende dieser Entwicklung ist noch nicht in Sicht.

Durch die verbesserte Kommunikation wird das Leben vieler Menschen bedeutend erleichtert. Die meisten Afrikaner erwirtschaften ihren Lebensunterhalt als Bauern.
Mit einem Mobiltelefon können sie die Preise am Markt erfragen, bevor sie sich auf die beschwerliche Reise machen und so sicherstellen, dass sie ihre Produkte auch zu einem angemessen Preis verkaufen können. Wetterdaten können erfragt und Erntehelfer besser organisieren werden, Händler sind auch unterwegs erreichbar.
Ärzte können sich besser untereinander koordinieren und sind bei Notfällen schneller erreichbar.

Das Mobiltelefon ist damit ein äußerst erfolgreicher Entwicklungsmotor. Laut Analysten der Weltbank steigt das Einkommen eines Haushaltes durch den Zugang zu einem Handy zwischen 10 und 30 Prozent.

Handy als Infrastruktur

Handymast in der Savanne
Handymast in der Savanne
© Piccaya | Dreamstime.com
In den ärmsten Ländern ist das Handynetz meist das am besten ausgebaute und einzig wirklich verlässliche Stück Infrastruktur. Oft haben mehr Menschen Zugang zu einem Mobilfunknetz als zu sauberen Wasser oder Strom.
Selbst Dörfer ohne Straßenanschluss sind über das Handy mit der Außenwelt verbunden.

Der Bau und Unterhalt einer Basisstation für den Handyempfang ist logistisch einfacher als eine Schotterstraße zu errichten, welche beim nächsten schweren Regen ohnehin wieder weggeschwemmt wird. Anders als in industrialisierten Ländern werden die Basisstationen nicht über ein öffentliches Stromnetz, sondern über ein eigenes Dieselaggregat mit einem Tankvorrat für mehrere Wochen versorgt

In vielen Dörfern hat sich ein eigenes Dienstleistungsgewerbe herausgebildet. Der Handy-Akku kann gegen Entgelt mit Hilfe eines Dieselaggregats geladen werden, Mobiltelefone lassen sich für einzelne Gespräche mieten.
Ein Festnetztelefon zu finden ist dagegen in vielen Teilen Afrikas nach wie vor undankbare Aufgabe.

Rechnungen mit Gesprächsminuten bezahlen

Das Mobiltelefon ist jedoch nicht nur eine verlässliche Verbindung zur Außenwelt, sondern hat auch eine andere unerwartete Funktion übernommen. Da viele Afrikaner keinen Zugang zu einem Bankkonto haben, arbeiten die meisten Handyverträge nach dem Prepaid-Modell, bei dem Wertkarten, oft für weniger als einen halben Euro das Stück, gekauft werden und das Guthaben über einen Code frei geschaltet wird.

Anstatt diese Codes selbst einzulösen, können diese auch weitergegeben und zum Beispiel per SMS weiter versandt werden. Man begann so mit Gesprächsminuten und SMS Rechnungen zu bezahlen, oder Verwandten unbürokratisch Geld zukommen lassen.

Das Mobiltelefon als Bankkonto

Damit sollte es jedoch nicht getan sein. 2007 entstand in Kenia in einem Gemeinschaftsprojekt von Vodafone mit dem kenianischen Mobilfunkunternehmen Safaricom das Bezahlsystem M-Pesa („mobiles Bargeld“). Das Prinzip ist denkbar einfach:

Jugendliche in Afrika
Jugendliche: Werden ihr Handy zum Zahlen verwenden
© Gillespaire | Dreamstime.com

Der Kunde lässt sich bei M-Pesa registrieren, bekommt eine Nummer und ein Passwort und eröffnet damit ein mobiles Konto.
Ladenbesitzer fungieren als M-Pesa-Agenten, über welche man Bargeldbeträge ein- und auszahlen lassen kann. Geldbeträge können jedoch auch einfach per Handy auf andere M-Pesa Konten übertragen werden.

Mit diesem System ist das Geld sicher aufgehoben und Rechnungen können mit dem Mobiltelefon bezahlt werden. Selbst Steuern und Gebühren lassen sich in gewissen Regionen mittlerweile per Mobiltelefon begleichen.

Einen interessanten Nebeneffekt hat die Einführung des elektronischen Geldtransfers auf die Korruptionsbekämpfung. So kamen Polizisten in einer afrikanischen Bergregion in den Genuss einer unerwarteten Lohnerhöhung, nachdem begonnen wurde ihr Gehalt direkt auf ihre Konto zu überweisen.
Wie sich herausstellte, erhielten die Polizisten jedoch lediglich den Betrag der ihnen seit Jahren zustand. Da sie zuvor über kein eigenes Bankkonto verfügten, bekamen sie ihr Gehalt vom örtlichen Kommandanten in bar ausbezahlt, der jedoch einen Teil unterschlug, mit Verweis aus nicht existierende Steuern und Gebühren.

Durch die Einführung dieser mobilen Finanzdienstleistungen dürfte sich in Afrika und anderen Schwellenländern ein Bankfilialennetz, wie wir es in Europa gewohnt sind, niemals entwickeln. Afrika wird diesen Schritt voraussichtlich übersprungen und ist mit zahlreichen Unternehmen auf dem Gebiet des mobilen Geldtransfers international bereits führend. Über die verschiedenen Geldplattformen werden pro Monat mehr Transaktionen abgewickelt, als über Paypal, im Juni 2012 wurden schätzungsweise 4,6 Milliarden Dollar bewegt.

Das Handy als Retter in der Not?

Ein Mobiltelefon bietet Zugang zu Informationen, der Außenwelt und neuen Märkten. Allerdings sind sie kein Allheilmittel und hat auch ihre Schattenseiten.

Für viele Menschen, die von weniger als einem Dollar pro Tag leben müssen, sind Mobiltelefone nach wie vor ein unerreichbares Luxusgut. Das Handy kann das Armutsproblem daher nicht allein lösen, aber es leistet einen unverzichtbaren Beitrag.

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Autor: Peter Gruber
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Letztes Update dieser Seite: 12.12.2013 - 22:48:27