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Warum Kleidung im Ausland produziert?


Kleidung verkommt immer mehr zum Konsumprodukt, welches heute insbesondere günstig im Ausland produziert wird. Die genauen Gründe für diese Entwicklung inkl. einem Vergleich zur früheren Kleidungsproduktion, finden sich in diesem Artikel.

Kleidungsproduktion früher vs. heute

In früheren Zeiten war Kleidung wertvoll und wurde gut behütet. Stoffe waren teuer und die Arbeitskraft, die nötig war um ein Kleidungsstück herzustellen, ebenso. Diese Zeiten liegen noch gar nicht so lange zurück und dennoch erfuhr unser Umgang mit Kleidung einen rasanten Wandel.

Kleidung entwickelte sich in den vergangenen Jahren immer mehr zum Wegwerfprodukt. Günstige Preise in Material und Herstellung geben uns die Möglichkeit, darauf zu verzichten, unsere Kleidungsstücke besonders zu pflegen: ist die Hose nicht mehr schick, gibt es eine neue.

Primark, H&M und ähnliche Billigmarken machen es möglich. Neue, günstigere Stoffe und Massenproduktionen, die vor allem im Ausland umgesetzt werden, ermöglichen es uns, unser Kleidungssortiment ganz nach Laune neu zu bestücken, denn die Preise für Kleidung sind kaum noch der Rede wert. Doch die Massenproduktionen im Ausland stehen aus vielerlei Gründen in der Kritik.

Trotzdem wählen Kleidungshersteller immer wieder die Fertigung ihrer Waren in fernen Ländern wie China, Indien, Myanmar oder Bangladesh.
Doch warum ist das so?

Produktion im Ausland: Günstige Massenproduktionen und niedrige Endpreise

Gebäude in Yangon (Myanmar)
In Gebäuden wie solchen wird Kleidung produziert.
„Made in China“? Warum eigentlich? Die Gründe, aus denen deutsche Unternehmen ihre Waren im Ausland produzieren lassen, sind sehr unterschiedlich.
Großer Hauptfaktor sind auch hier die Finanzen. Die Produktion im Ausland ist vielerorts deutlich günstiger umsetzbar. So liegt das Lohnniveau in Ländern wie China, Indien oder Bangladesch deutlich niedriger, als hierzulande. Mindestlöhne und andere Verpflichtungen, wie etwa Krankenkassenbeiträge von Arbeitgeberseite, machen die Produktion in Deutschland zu einer finanziell anspruchsvollen Angelegenheit. Im Ausland können diese Aspekte meist umgangen werden.

Hinzu kommen Umweltstandards, die hierzulande eingehalten müssen, doch im Ausland meist wegfallen. Während sich Unternehmen in Deutschland hauptsächlich mit Auflagen, behördlichen Hintergründen und finanziellen Verpflichtungen auseinander setzen müssen, die eine Produktionsstätte mit sich bringt, fallen die meisten dieser Hürden im Ausland weg.

Die Produktion in Deutschland ist demnach nicht nur aufwändiger, sondern auch teurer. Diese Investitionen müssen daraufhin erwirtschaftet werden, indem sie auf die Preise, die der Endkunde später bezahlt, umgelegt werden.
Höhere Preise halten uns jedoch häufig vom Kauf ab – auch wenn die Qualität sowie die Herstellungsbedingungen eine andere Sprache sprechen.

Ein Teufelskreis entsteht spätestens dann, wenn ein Branchenkonkurrent beginnt, den Preis beispielsweise durch die Produktion seiner Waren im Ausland, zu drücken und die Branchenkonkurrenz mitziehen „muss“.

Tradition und Qualität – die deutsche Produktion ist trotz allem nicht am Ende

Auch wenn die Produktion deutscher Waren gerade in der Textilindustrie in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr ins Ausland verlegt wurde, bleiben einige Unternehmen der Produktion im eigenen Land treu. So verzichten diese Unternehmen, zu denen beispielsweise Trigema zählt, auf den Preiskampf in der Branche und setzen auf Qualität „Made in Germany“.
Diese Entscheidung steht jedoch zugleich für hohe Produktionskosten. Die Konkurrenzfähigkeit leidet hier enorm, denn gegen Billigketten kommen viele Unternehmen langfristig oft nicht an.

Das Handwerk der Näherin – ein aussterbender Beruf

Nahaufnahme einer Nähmaschine
Nahaufnahme einer Nähmaschine
© Djem82 | Dreamstime.com
Früher war es ein ehrenwerter, geachteter und vor allem notwendiger Beruf, doch heute verschwindet er in unseren Breiten immer mehr – die Näherinnen „sterben aus“.

Deutschlands Arbeitskräfte haben im Grunde genommen nicht mehr allzu viel mit der Herstellung von Kleidung oder der Verwertung von Textilien zu tun. Längst wurden Maschinen, Verfahren, Prozesse und Abwicklung ins günstigere Ausland verlegt. Die Idee wird exportiert, um fertige Kleidung zu importieren. Mit ihnen verschwindet das Handwerk, das entweder durch günstigere Arbeitskräfte im Ausland oder auch immer mehr von Maschinen abgelöst wird.

Eine umfangreiche Infrastruktur in der Textilproduktion gibt es in Deutschland schon lange nicht mehr.
Dieses Phänomen lässt sich jedoch nicht nur in Deutschland beobachten. Vielmehr betrifft es ganz Europa. Herstellungsverfahren werden größtenteils exportiert und lediglich der Geschäftssitz bleibt eventuell im Heimatland erhalten.

Doch woher kommt diese Entwicklung? Und was sollen wir davon halten?

Der oben beschriebene Teufelskreis macht es für europäische Unternehmen immer schwerer, in der Heimat Fuß zu fassen und ihre Waren auch dort zu produzieren. Die Kunden lieben günstige Produkte und gehen, wenn es sich nicht anders lösen lässt, zur Konkurrenz – vollkommen egal, wie diese es schafft, ein so niedriges Preisniveau einzuhalten. Für Unternehmen bedeutet das oft, mitziehen zu müssen – mehr oder weniger freiwillig.

Primark Oxford Street London
Primark der Inbegriff der Billigmarken

Dabei kann man diese Auslagerung der Textilindustrie durchaus aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachten. In der Kritik steht die Auslandsproduktion insbesondere deshalb, weil immer wieder, sowohl größere als auch kleinere, Unternehmen negativ auffallen und mit der Ausbeutung ihrer günstigen Mitarbeiter in Verbindung gebracht werden.

Auch wird den im Ausland produzierten Produkten nicht selten nachgesagt (häufig auch nachgewiesen), sie seien mit Giftstoffen belastet oder die Umwelt würde, dank des weniger streng kontrollierten Umweltschutzes, unter der Produktion leiden.

Zwei Seiten einer Medaille

Trotzdem ist nicht außer Acht zu lassen, dass die Textilherstellung oder -verarbeitung für viele, meist ärmere, Länder eine gewisse Chance darstellt. Die Joblage in diesen Ländern ist nicht selten verheerend. Die Menschen arbeiten dort für minimale Löhne, doch ohne diese Arbeit hätten sie höchstwahrscheinlich nicht einmal das Nötigste zum Leben.

Trotzdem ist wohl anzumerken, dass die Industrie durchaus über ihre Preispolitik nachdenken könnte und müsste. Während für uns ein paar Cent mehr für einen Pullover kaum einen Unterschied machen, bedeuten ein paar Groschen mehr für die unversicherten Näherinnen und in der Textilindustrie angestellten Mitarbeiter im Ausland einen enormen Unterschied im Verdienst.

Autorin: Alexandra Ingenpaß
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Letztes Update dieser Seite: 10.10.2016 - 22:40:49