Warum erfahren Juden so viel Hass?

Veröffentlicht: 09. März 2021 Aktualisiert: 27. Januar 2024 von
Man kann und will es nicht verstehen. Vielen Religionsgruppen steht viel Hass gegenüber. Jedoch erfährt wahrscheinlich keine Gruppe so viel Hass wie die Juden. Hier erfahren Sie, warum das so ist!

Menora
Menora - Symbol für das Judentum
Fakt ist: Judenhass und antisemitische Tendenzen haben sich schon in vorbiblischer Zeit etabliert. Ein einstmals rein religiöser Konflikt breitete sich weiter aus. Er fand seinen vorläufigen Höhepunkt im Holocaust. Seit vorbiblischer Zeit bis in die heutigen Tage finden sich die Juden an den Pranger gestellt, angegriffen und vertrieben. Über viele Jahrhunderte unterlagen Juden Anfeindungen, Diskriminierung und Attacken. Die Christen warfen ihnen einst vor, Jesus ans Kreuz geschlagen zu haben.

Eine Eskalation des Judenhasses erlebten Juden bereits im Mittelalter. In dieser Zeit durften sie keine öffentlichen Ämter bekleiden. Sie durften keine Christen ehelichen und vor Gericht nicht gegen Christen aussagen. Die in dieser Zeit etablierten Vorurteile gegen Juden haben sich bis heute gehalten.
Man unterstellte Juden Ungeheuerliches: von Macht- und Geldgier bis hin zu rituellen Kindermorden. Die meisten Anfeindungen kamen und kommen von Menschen, die sich selbst als gesellschaftlich ausgegrenzt ansehen. Solche Menschen bedienen sich häufig bei radikalem Gedankengut.

Vom Anti-Judaismus zum Judenhass

Ausgerechnet Martin Luther ist es zu verdanken, dass der Anti-Judaismus als ehemals religiöses Phänomen zum Antisemitismus - und somit zum Rassenkonflikt - wurde. Anno 1545 verfasste Luther ein Pamphlet mit dem Titel "Von den Juden und ihren Lügen".
Darin sieht mancher Schriftgelehrte heute die Grundlage für Judenhass. Zuvor waren Juden attackiert worden, weil sie die christlichen Glaubensinhalte nicht akzeptierten. Nun unterstellte man ihnen, sie wollten als Rasse und „Volk Gottes“ die Weltherrschaft durch eine jüdische Verschwörung erzielen.

Konzentrationslager Dachau
Konzentrationslager Dachau

Ein Feindbild gegen Juden bestand auch im Deutschland der 1920er und 1930er Jahre. Adolf Hitler bediente sich seiner, um seinen Machtgewinn zu sichern. Er proklamierte, die Juden seien eine rassisch minderwertige Menschengattung. Nur reinrassig arische Menschen entsprachen dem Deutschtum Hitlers. Juden wurden gezwungen, einen Judenstern zu tragen. Jeder durfte die stigmatisierten jüdischen Mitbürger kujonieren und denunzieren.
Hitler gab sie schließlich - zusammen mit Zigeunern oder Homosexuellen - zur kollektiven Vernichtung frei. Nachdem die Juden zuvor in städtischen Ghettos isoliert worden waren, landeten nun Tausende und Abertausende Juden in deutschen Konzentrationslagern.

Eingang zum Konzentrationslager Dachau
Eingang zum Konzentrationslager Dachau

Nur wenige Juden konnten sich rechtzeitig ins Ausland absetzen. Wer nicht sofort vergast wurde, wurde möglicherweise medizinischen Experimenten unterzogen. Abertausende, die die KZ-Bedingungen längere Zeit überlebten, starben an Hunger. Die Lager-Insassen wurden ständig drangsaliert.
Die Schreie sterbender Juden in den Gaskammern, der stinkende Rauch der Krematorien, das Ausheben von Massengräbern und die Geräusche von Schießkommandos begleiteten die endlosen Leiden der gefangenen Juden.

Vom Judenhass zum Hass gegen den israelischen Staat

Juden, die eines der Konzentrationslager überlebten, hatten einen Blick in die Hölle getan. Der Holocaust ist der bisher schlimmste Exzess in Sachen Judenhass. Man sollte meinen, dass der Antisemitismus danach ausgerottet war. Doch so ist es leider nicht.

Zwar hat sich der Antisemitismus erneut gewandelt. Nun wird der gesamte jüdische Staat angefeindet. Vieles, was an Israel kritisiert wird, entstammt weiterhin antisemitisch motiviertem Gedankengut. Auch in Deutschland verzeichnen Rechtsradikale und Neonazis seit Jahren Zulauf. Neuerdings sitzen Neonazis und rechtsradikale Demagogen als AFD-Politiker im Bundestag.
Auch bei den Pegida- oder Querdenker-Demos wird antisemitisches Gedankengut verbreitet. Jüdische Synagogen werden vermehrt angegriffen. Jungen Juden wird auf offener Straße die Kippa vom Kopf gerissen. Offensichtlich sind Judenhass und Antisemitismus weiterhin in den Köpfen zementiert.

Doch woher kommt der jahrhundertelange Hass gegen die Juden?
Judenfeindliche Zeilen im Koran belegen, dass die Vorurteile gegen Juden uralt sind. Der unverhohlene Hass zwischen Arabern und Juden schwelt seit der Gründung des Staates Israel. Judenhass wird innerhalb vieler arabischer Familien weitergetragen. Die israelische Politik der massiven Besiedlung des Westjordanlandes forciert die Hassgefühle noch. Sie erstrecken sich nun auch auf Unterstützer wie Europa oder die USA. Die steigende Zahl muslimischer Flüchtlinge in Europa dürfte den Antisemitismus in Deutschland erheblich befeuert haben.

Synagoge Konzentrationslager Dachau
Synagoge Konzentrationslager Dachau

Im Judenhass verdichten sich uralte Vorurteile

Ein weiterer Grund für neuerliche Judenhetze ist in der zunehmenden Radikalisierung nicht-islamischer Bevölkerungsgruppen zu sehen. Der kollektive Frust gegen politische oder soziale Ungerechtigkeit entlädt sich gegen alles, was als vermeintlicher Verursacher angesehen wird.

Schon auf dem Schulhof beschimpfen Achtjährige sich als "Jude" oder "schwule Sau". Sie denken sich nichts dabei - aber die Vorurteile sind damit bereits zementiert.
Die Ethnologie hat die Abwehrhaltung sämtlicher Ethnien gegen das vermeintlich Fremde immer wieder thematisiert. Wer sich aus der Gesellschaft ausgegrenzt fühlt, stigmatisiert andere. Er sieht sie als Feinde an und erklärt sie zum Sündenbock. Juden gaben schon immer das klassische Bild des Sündenbockes ab. Religiöse und rassische Vorurteile sowie latente Ängste vor vermeintlicher jüdischer Überlegenheit (Volk Gottes) fließen bei der Negativ-Bewertung von Juden zusammen.

Heute braucht es keinen Judenstern mehr. Der kollektive Holocaust findet in den Köpfen der Menschen statt. Die KZ-Vernichtungskampagne gegen Juden wird geleugnet oder kleingeredet. Schlimmer noch: Sie wird von manchen als gerechtfertigt angesehen.

Abschließende Bemerkung von dasinternet.net Lassen Sie sich nicht vom Hass erfassen! Stehen Sie auch "anderen" Bevölkerungsgruppen auch aufgeschlossen gegenüber und informieren Sie sich über die Bräuche anderer Religionen. Sie werden sehen, dass eine Abneigung oder gar ein Hass gegenüber anderen nicht gerechtfertigt ist!
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