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Telegram Messenger: Nicht nur für Verschwörungstheoretiker

Der Telegram-Messenger für Smartphones erfreut sich bei verschiedenen Handyusern großer Beliebtheit. Warum er nicht nur als Messenger für Verschwörungstheoretiker gesehen werden soll, erfahren Sie hier.
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Telegram Messenger

geöffnete App Telegram Messenger
Telegram Messenger
Die App mit dem leicht erkennbaren Papierflugzeug-Icon hat in Europa und insbesondere in Deutschland einen notorischen Ruf eines zwielichtigen Messengers, der lauter Desinformationen sprießen lässt.
Und das nicht ohne Grund: zu Anfang der Corona-Pandemie wurde Telegram zum Fluchtort der aus Facebook und Twitter vertriebenen Verschwörungstheoretiker, Rechtsextremen und Covid-Leugner.

Allerdings steht es um die Erfindung des russischstämmigen Techunternehmers Pawel Durow nicht so einfach. In kurzer Zeit nach der Invasion in die Ukraine ist Telegram für viele Menschen in Russland zu einer der wenigen staatsunabhängigen Informationsquellen geworden.
Um zu verstehen, wie der Messenger zwischen Fake News und Redefreiheit balanciert, müssen wir uns zuerst seine Entstehungsgeschichte anschauen.

Wie kam es zu Telegram?

Telegram wurde 2013 vom Sankt-Petersburger IT-Entwickler Pawel Durow und seinem Bruder Nikolai ins Leben gerufen. Um diese Zeit fanden in Russland heftige Proteste wegen massenhaften Falsifikationen bei den Parlamentswahlen statt.
Kundgebungen und Demonstrationen wurden damals mittels “Vkontakte” koordiniert, eines ebenfalls von Durow gegründeten Sozialnetzwerks. Als der Inlandsgeheimdienst FSB Durow aufgefordert hatte, die VK-Profile von Aktivist*innen dauerhaft zu löschen, gab er nicht nach.
Daraufhin hat die Polizei versucht, in seine Wohnung einzubrechen. Kurz danach verließ er Russland und einigte sich mit seinem Bruder darauf, dass sie einen sicheren und für staatliche Behörden undurchschaubaren Messenger benötigen. So entstand Telegram.

Zwischen Desinformation und freier Meinungsäußerung

Schutz vor polizeilichen Eingriffen und absolute Carte blanche bezüglich der Contenterstellung, die der Messenger seinen Nutzer*innen bot, haben es ermöglicht, dass insbesondere in repressiven Ländern wie Belarus unabhängiger Journalismus betrieben werden konnte. Das markanteste Beispiel wäre der Telegram-Kanal Nexta, der 2020 über die Minsker Proteste berichtet hat.
2022 ist der Messenger auch in Russland zu einem der letzten staatsunabhängigen Medien geworden. Nach der offiziellen Sperrung von Facebook, Instagram und Twitter wechselten Zigtausende von Userinnen und User zu Telegram, nicht zuletzt auch wegen des Bedürfnisses nach unfiltrierter Information.

Entzug von der staatlichen Kontrolle hatte aber seine Schattenseiten. Zu Beginn der Corona-Pandemie verkam der Messenger zu einem Sammelbecken für Verschwörungstheoretiker*innen, Reichsbürger*innen und Rechtsextremen.
Schon 2015 benutzte der ISIS Telegram zur Anwerbung neuer Rekruten. Die App ist mittlerweile auch populär unter Neonazis und Drogendealern.

Vor- und Nachteile von Telegram

Solche außerordentliche Beliebtheit verdankt Telegram seinen technischen Features:
  • Erstellung von öffentlichen und privaten Kanälen mit unbegrenzter Anzahl von Abonnenten
  • Gruppenchats mit bis zu 200.000 Teilnehmer*innen
  • Möglichkeit, die Telefonnummer mit einem Benutzernamen zu ersetzen

Im Vergleich zu Whatsapp gibt es an Telegram aber einiges auszusetzen:

  • Gruppenchats sind nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt.
  • Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Privatchats ist nicht per Voreinstellung aktiviert
  • Telegram, genauso wie Whatsapp, hat Zugriff auf persönliche Kontakte und Metadaten (IP-Adresse, Art des Geräts etc.)

Telegram: yay or nay?

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Es ist normal, wenn Telegram einen eher ambivalenten Eindruck macht. In der heutigen Zeit, wo persönliche Daten das neue Gold sind, möchte man seine Privatinformationen bestmöglich schützen, und ein sicherer Messenger wäre ein guter Start.

Mit der Aktivierung von “Secret Chats” kann Telegram einen anonymen Privataustausch garantieren. Auf Gruppendiskussionen trifft es allerdings nicht zu. Jedoch benötigt Telegram im Vergleich zu anderen Messengern wie Whatsapp oder Facebook am wenigsten Userdaten.

Wenn aber einem Datenschutz besonders am Herzen liegt, sollte man einen Wechsel zu Signal, einem Messenger mit völlig abgesicherter Chatfunktion, in Betracht ziehen.

Weblinks:

Autor: Yury Malakhov
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